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Spielbewertung

Die Legenden von Andor
Information Verlag Kosmos
Autor Menzel Michael
Illustrationen Menzel Michael
Erschienen 2012
Rezension durch GameInn 24.11.2013
Erweiterung Zu diesem Spiel existieren folgende Erweiterungen:
Die Legenden von Andor - Der Sternenschild
Die Legenden von Andor - Die Reise in den Norden
Die Legenden von Andor - Neue Helden
Spieleranzahl 2 - 4 Spieler
Empfohlenes Mindestalter Ab 10 Jahren
Spieldauer 75 Minuten
 
Herzlichen Dank!Für die Zusendung des Rezensionsexemplars danken wir Kosmos herzlich.



Rezension

Eine kooperative Augenweide

Der mit dem Graf-Ludo-Preis ausgezeichnete Illustrator versucht sich mit seinem Erstling «Die Legenden von Andor» als Spieleautor. Dabei setzt er auf einen kooperativen Spielmechanismus, der seit «Pandemie» richtig im Trend ist. Aber ob das Spielprinzip mit den erstklassigen Illustrationen nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch in den anderen Bereichen zu überzeugen vermag? Ja, und wie!

Gar übles Ungemach braut sich im mittelalterlichen Lande Andor zusammen. Doch wo Dunkelheit aufzieht, ist meist auch Licht vorhanden. Und auch im Falle Andors stehen vier Helden bereit, um sich den Gegnerhorden entgegenzustellen und die Monster vernichtend zu schlagen, um den Frieden im Lande wiederherzustellen.

Genretypisch stehen dem Kämpfer ein Bogenschütze, ein Magier und ein schlagkräftiger Zwerg zur Seite. Jeder Spieler erhält ein kleines Tableau, auf dem auf beiden Seiten eine männliche und eine weibliche Version seines Charakters zur Verfügung. Zusätzlich werden auf dem Tableau die Willens- und die Stärkepunkte festgehalten, sowie das Inventar, dass der Charakter bei sich trägt.

Die Schönheit Andors

Das grosse Spielbrett selbst zeigt Andor in seiner ganzen Pracht – und ist beidseitig bedruckt. Auf der Vorderseite erkennen wir die Oberseite des Landes: Eine Burg, ein Fluss, der sich malerisch durch die Gegend schlängelt, ein dichter Wald, Brücken – und ein Mineneingang, der in die düstere Unterwelt führt. Jene Unterwelt ist mit ihren verwinkelten Gängen und unheimlichen Überraschungen auf der Spielplanrückseite aufgedruckt.

Die Landschaft ist dabei in kleinere Bereiche eingeteilt, die jeweils nummeriert sind in der Regel mit Pfeilen miteinander verbunden sind.

Entlang der rechten Seite des Spielplans ist die Geschichtenleiste abgedruckt. Dem „Die Legenden von Andor“-Spiel liegen sechs Geschichten bei, sogenannte Legenden. Und auf eben jener Leiste wird die Geschichte, welche unsere Helden erleben, vorangetrieben. Eine der Legenden ist ein Einführungsspiel, die sechste Legende besteht aus mehreren Blanko-Karten und der Aufforderung, sich selbst eine Legende auszudenken. Für die weniger kreativen Geister unter uns gibt es auf der Webseite des Spiels eine weitere Legende zum kostenlosen Download.

Die Spielschachtel füllen neben den Tableaus und dem Spielbrett die Helden als Kartonfigürchen mit Plastikhalter, viele Gegnerkreaturen (darunter auch ein Drache, alle ebenfalls sehr schön illustrierter Karton), Inventargegenstände, Geld, Diamanten und einiges mehr. Holz als Spielmaterial kommt wenig vor, wenn dann als Klötzchen für die Statusanzeige auf den Spielertableaus oder kleinen Markern für den Status der Gegner. Eine Anzahl von Spielkarten rundet das umfangreiche Spielmaterial ab.

Zudem liegen dem Spiel genügend Zip-Plastikbeutel bei, um etwas Ordnung ins Marker-Chaos zu bringen. Eine Geste, die bei vielen Spielverlagen Standard ist. Wir wissen dies dankend zu schätzen.

Das Spielprinzip

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, handelt es sich bei «Die Legenden von Andor» um ein kooperatives Spiel. Entweder gewinnen alle – oder das Spiel gewinnt und die Spieler verlieren die Legende. Und stürzen mit ihrem schauerlichen Versagen nebenbei Andor in blutiges Chaos.

Zu Beginn wird eine Legende ausgesucht. Idealerweise werden die Legenden in aufsteigender Reihenfolge gespielt, den vom Einführungsspiel – und dem ersten Geplänkel der Helden mit der Gegnerschaar – bis hin zum gefährlichen Kampf mit einem Drachen in der fünften Legende erzählen die Legenden eine fortlaufende Geschichte.

Dabei gibt die Legende vor, wie das Spiel aufgebaut werden muss. Welche Gegnertypen in welcher Anzahl verwendet werden, welche Karten gemischt werden müssen, wo die Helden starten, welche Inventar- und sonstigen Gegenstände bereitgelegt werden müssen. Dabei sind die Rückseiten der Legenden mit einem Buchstaben bedruckt, der sich auch auf der Geschichtenleiste abgedruckt findet. Dabei reichen die Buchstaben von A – N. Am Ende jeder Spielrunde wandert die Geschichtenerzählerspielfigur ein Feld weiter. Steht er dabei auf einem Buchstaben, für den es entsprechende Legendenkarten, werden diese vorgelesen.

Dabei kann es sein, dass neue Gegner auftauchen, die bekämpft werden wollen, Brücken einstürzen oder neue Aufträge für die Helden ausgesprochen werden, die zu erfüllen sind. Werden diese Aufträge nicht rechtzeitig erfüllt, verlieren die Spieler unter Umständen das ganze Spiel.

Das Leben eines Helden

Der Tag eines Helden hat sieben Stunden. In dieser Zeit kann der Held von Feld zu Feld reisen (was pro Feld jeweils eine Stunde Zeit in Anspruch nimmt), Spezialfähigkeiten der Ortschaften in Anspruch nehmen, in der er oder sie sich befindet oder – was der Bestimmung eines richtigen Helden am nächsten kommt – ein Gegner bekämpfen. Falls erwünscht und nötig, kann der Held auch bis zu drei Stunden Überstunden schieben. Dies geht jedoch auf Kosten seiner Willenspunkte. Und Willenspunkte lassen sich am ehesten mit Lebenspunkten vergleichen. Je mehr Lebenspunkte ein Held hat, umso grösser die Chance, seinen Gegnern richtig böse Schaden zufügen zu können. Weniger Willenspunkte bedeutet, einen Würfel weniger zur Ermittlung der Schadenspunkte zur Verfügung zu haben.

Der Kampf in Andor läuft wie folgt ab: Der Held würfelt mit allen Würfeln, die ihm oder ihr gemäss den verbleibenden Willenspunkten zur Verfügung stehen. Zum höchsten Würfel werden dann die Stärkepunkte hinzuaddiert. (Stärkepunkte lassen sich im Verlauf des Spiels bei Händlern einkaufen.) Daraufhin würfelt der linke Nachbar des Spielers für den Gegner. Wer den grösseren Wert hat, verpasst seinem Gegner die Differenz als Schadenspunkte, die von den Willenspunkten abgezogen werden. Fallen die Willenspunkte eines Gegners auf null, stirbt dieser. Der Held erhält dann je nach Gegnertyp eine unterschiedlich grosse Menge an Gold und Willenspunkte.

Sollten die Willenspunkte eines Helden aufgebraucht sein, verliert er einen Stärkepunkt, dafür aber drei Willenspunkte. Sollten auch die Stärkepunkte auf null fallen, stirbt der Held.

Glücklicherweise können die Helden auch als Gruppe gegen die Monster in die Schlacht ziehen. Dabei werden die Stärkepunkte aller Helden zum höchsten Würfelwurf hinzuaddiert. Die siegreichen Helden müssen die Beute dann unter sich aufteilen.

Mit Geld lassen sich wie bereits erwähnt bei den Händlern Stärkepunkte kaufen. Allerdings auch Gegenstände wie Rüstungen und Helme, die einem vor Punkteverlust oder den Auswirkungen verschiedener Ereigniskarten schützten.

Haben alle Helden die ihnen pro Tag zur Verfügung stehenden Stunden verbraucht, endet der Tag. Der Geschichtenerzähler schreitet auf seiner Leiste voran, eventuell wird ein neuer Teil der Legende erzählt und die Monster ziehen gemäss den auf dem Plan abgedruckten Pfeilen ein oder mehrere Felder voran.

Wir sind Gewinnertypen

Je nach Legende müssen unterschiedliche Aufträge erfüllt. Unter Umständen auch unter Zeitdruck. Werden diese Aufträge bis Ende der Geschichte erfüllt, siegen die Helden über das Spiel. Versagen Sie, so verlieren sie gemeinsam.

Spielbewertung

Ich liebe die Illustrationen von Michael Menzel. Dass er nun auch ein kooperatives Spiel mit Mittelalter-Thematik rausbringt, machte dieses Spiel für mich bereits zu einem Pflichttitel, bevor ich die Regelmechanik überhaupt kannte. Glücklicherweise hielt die erste Euphorie auch über die ersten Spielrunden an, wenn ich auch an der einen oder anderen Kleinigkeit rummeckern kann.

Der kooperative Gedanke würde sehr gut umgesetzt. So sind Kämpfe zu mehrt wesentlich einfacher, als wenn sich ein einzelner Held einem Monster gegenüberstellt. Je weniger Spieler mitspielen, umso mehr Fehler verzeiht einem das Spiel, bevor eine Mission als gescheitert gilt. Allerdings lässt sich innerhalb einer Legende der Schwierigkeitsgrad nicht verändern. Bei Spielen wie «Pandemie» ist dies möglich, «Die Legenden von Andor» löst dies über schwierigere Gegner in den späteren Legenden.

Ein weiterer Nachteil des Geschichtenerzähl-Systems ist, dass man, wenn man eine Legende gespielt hat, deren Überraschungen und fiesen Wendungen bereits kennt und bei weiteren Spielen mit dieser Legende versucht ist, seine Spielzüge bereits entsprechend zu planen. Ich hoffe, dass Verlag und Autor entsprechende Webtools zur Verfügung stellen, wo man selber Legendenkarten im Originaldesign erstellen und ausdrucken kann. Und eine enthusiastische Community entsteht, die «Homebrew»-Legenden für «Die Legenden von Andor» zum Download anbietet.

Ebenfalls lässt dieses Legendensystem für den Verlag Türen offen, um weitere Legenden nachzuschieben, wie es Fantasy Flight mit seinen Living-Card-Games bereits tut. Dass dies eine Chance ist, Andor-Fans glücklich zu machen, versteht sich von selbst. Hoffentlich fühlt dich der Verlag auch verpflichtet, solchen analogen DLC zu einem anständigen Preis zu veröffentlichen.

Bewertet man «Die Legenden von Andor» in seinem jetzigen Zustand und ohne die sicherlich noch kommenden Erweiterungen, so handelt es sich um ein wunderbar illustriertes Erstlingswerk mit einer stimmigen Spielmechanik, einer hilfreichen und cleveren Tutorial-Legende – aber einem eher knapp bemessenen Umfang an Legenden. Eine, zwei weitere hätten sicherlich drin liegen dürfen. Abgesehen von diesem Wehrmutstropfen kann ich euch dieses Spiel nur ans Herz legen.

Luding-DatenbankMehr Informationen und weitere Rezensionen zu diesem Spiel findest du in der Luding-Datenbank.

Spiel bewerten

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Bewertung: 9 Avatar-Bild Mrs. Bloom 86 | 750
(35 Jahre) aus Wahlendorf, bewertete dieses Spiel am 10.02.2015
Warte auf mehr Erweiterungen... Macht Lust auf mehr Action und Abenteuer
 
 
1 0 1 0 0 0 1
Glück Wissen Strategie und Taktik Kreativität Action Kombinationsgabe Kommunikation
Positiv
Männliche und weibliche Helden, tolle Illustrationen
Negativ
Ein, zwei Legenden mehr wäre schön gewesen
Illustrationen
6
Grossartige und wunderschöne Illustrationen
Material/Qualität
6
Holz und viele schöne Kartonaufsteller
Regeln
6
Vergleichsweise einfach erklärt, Tutorial-Legende
Spielreiz
5
Spannend und kooperativ
Fazit
Ein wunderschönes Spiel mit stimmiger Mechanik
Gesamtnote: 9
Mitgliederwertung
1 Mitglied von GameInn bewerte das Spiel mit 9 von 10 Punkten
Mitgliederwertung: 9
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